Die große Perle (Tirols)

Bevor also der Sommer vollends Einzug hält, lasst mich noch einmal ein Bild malen, auf das wir jetzt im Augenblick keine Not mehr haben, es schon wieder auf uns zukommen zu sehen. Der letzte Abdruck sozusagen für mich und mein Wintermärchen.

Es spielt in einem Raum, zu klein für einen Saal, zu groß für ein Zimmer. An der Decke hängen Tücher, weiße, um das gleich weiße Gestänge oder Wasserrohrgeflecht der Sprinkleranlage herumgewickelt. Ihnen gegenüber ein, in meiner Erinnerung jetzt, von lauter gleichschenkeligen ‹L›s zusammengehaltener Parkett. An der Vorderseite des Raums befinden sich mehrere, zu einem großen, aneinandergereihte Fenster, die während der Übungen nicht ganz, so etwa auf jeweils ein Viertel der gesamten Länge verhangen werden. Man sieht also von drinnen, was draußen vor sich geht. Nicht so – gottlob! – von draußen, dank der Tönung, die Verrenkungen der Übenden drinnen. Gesprochen wird meist in englischer Sprache; wenn sie einem denn ins Bewusstsein dringt! Eher ist es die Musik, zu der man aufhorcht und die einem hilft, seinen Körper von einem Asana in den nächsten zu rollen, zu twisten, zu grätschen, aufzurichten,… wie auch immer zu bewegen. Irische, isländische, indische… in meiner Sprache die sogenannte ‹I›-Musik 😉 Und jetzt stellt euch noch vor, wie es draußen schneit! Oh ja, welch ein Bild! Das Gewimmel in den Kegeln der orangefarbenen Straßenbeleuchtung (diese wiederum heute in dem kühlen LED-weiß mich zu einer kleinen Lüge zwingend). Das Getöse von einigen wenigen Fahrzeugen zu der späten Stunde das Bild eher abrundend denn störend.

In den ersten Yogaklassen meinte ich mich inmitten einer Metropole. Ja, in Manhattan! Übertrieben? Dann halt in Wien. Besonders dann, wenn mal wieder irgend so ein Idiot einen Schneeball gegen die Fensterscheibe donnerte. Dabei ist es nur ein ganz kleiner Ort, der da von der gelebten Spiritualität immer dann, wenn ich eintrete in das Studio, in etwas Größeres – etwas von ungeahnter Größe! verwandelt wird. Der Name des Ortes: Kufstein.

Für Libby und Moni

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