Literatur

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Peter Handke sagte irgendwann einmal, dass Weltliteratur von innen heraus käme. Das Gewicht dieses einen Satzes ist unfassbar! Lässt sich die Welt tatsächlich in so einem vergleichsweise winzigen Raum erfinden? Oder wird die Welt gar nur aus uns heraus geboren und stürzt in sich zusammen, wenn wir uns dereinst einmal verabschieden? Ich möchte die philosophische Betrachtung des Satzes außer Acht lassen und mich stattdessen darauf konzentrieren, was er für meine Anfänge als Schriftsteller bedeutete.

Das Privileg war nicht mehr nur dem großen Poeten Handke und dem Ausnahmekönner Thomas Mann, um nur einen zu nennen, vorbehalten. Nein. Es durfte ein jeder sich zum Literaten berufen fühlen, meinte er es nur ja ernst damit! Und ernst war es mir damit schon bald, nachdem mir klar wurde, dass nur von einer Sprache, die nicht mehr gehemmt von der Norm unseres Denkens wäre, es erwartet werden durfte, "hinter den Vorhang" zu blicken. Und tatsächlich blitzte in meinen Sätzen die Fähigkeit dazu auf. Nach und nach sollte es mir gelingen, ihnen das allzu engstirnig Rationale auszutreiben.

Zurückhaltend, ob der paar gefundenen Körner, durfte es irgendwann nicht mehr als ein Zufall verhöhnt werden, welch' Poesie sich ein jedesmal unter dem gezückten Stift verfestigte. Unbegründet die Furcht, es würde mir nichts gescheites einfallen. Kein Wurf gelingen. Dem Schreiber hat überhaupt nichts einzufallen! Nicht das Erdachte will er in Worte bannen. Erst im Schreiben beginnt er etwas von dem verworrenen Geflecht zu erahnen. Erst darin er sich ganz in seinem Tun verliert, begibt er sich auf die Suche. Ungehemmtes, freies Schweben. Tabulos. Grenzenlos. Gerade dadurch von Substanz, Schwere, von Notwendigkeit wie kaum je ein anderes Formulieren es hervorbringt! Das unbeschriebene Blatt, es füllt sich seither ein jedes Mal, da ich in der Einfachheit der Dinge das Maß der Welt erblicke.

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