édition littoral

« Wo die Elemente sich begegnen »

 

Vier Wellen, ein Olivenzweig, beides vor sandfarbenem Hintergrund: Bienvenue! Sie befinden sich auf der Seite der édition littoral von Frank Gruber. Das runde Emblème ist zu einem Symbol meiner gesamten Arbeit als Schriftsteller und bildender Künstler geworden. Natürlich sind es die Insignien der Küste, insbesondere des Mittelmeers. Aber was steckt noch dahinter?

Wahrscheinlich verspürt ein jeder Mensch dieselbe Freude, wenn er barfuß den Strand entlang läuft oder auf einem Felsvorsprung hockend, das Meer vor sich arbeiten sieht und hört. Für mich ist es vor allem die Begegnung der Elemente Wasser, Erde und Luft (auch das Feuer gehört in den Départements des französischen Midi sommers zur Tagesordnung!), welche mich in besonderem Maße inspiriert haben. Die Begegnung der Unterschiede wohlgemerkt – dort die Aggregatzustände der Materie, hier die Begegnung des vermeintlich nicht Zusammengehörigen.

Dank meiner Ausbildung in geisteswissenschaftlichen Fächern an der Universität von Innsbruck habe ich es zu erkennen gelernt, jene uns so logisch erscheinenden Gegensätze wie beispielsweise «Gut» und «Böse» in einen Zusammenhang zu bringen. Ja, mehr noch, sie gewissermaßen aus größerer Entfernung betrachtend zu relativieren und manchmal sogar ihre Austauschbarkeit unter Beweis zu stellen. «Vermute gerade dort das Böse, wo immerzu vom Guten die Rede geht», hieß es dazu in den Seminarräumen, von wo aus ich meine ersten schriftstellerischen Versuche unternahm, immer wieder in bester Goethe-Manier. In jener Zeit waren er, aber auch Nietzsche, Freud, Hölderlin und die großen griechischen Tragödiendichter, mir die vertrautesten Lehrmeister.

Und so landen seither zumeist solche Charaktere in meinen Texten, die auf den ersten Blick befremden auslösen. Kauzige, ja verdrehte Typen. Bei ihnen steht immer alles auf dem Kopf. Sicher geglaubte Wahrheiten stellen sich als falsch heraus. Sie sind Chimäre oder ein Konstrukt der Mächtigen. Meist erkennen die Protagonisten, dass sie nicht so frei sind, wie es ihnen eingeredet wurde. Die Leitfäden, der Verstand, die Werte, alles kann sich in Bruchteilen einer Sekunde als nutzlos erweisen.

Was ihnen (und vielleicht auch uns) bleibt, ist der Weg zurück in die «Welt als Wille», wie sie von Schopenhauer und den ihm nachfolgenden Existenzialisten ergründet wurde. Dort, wo wir uns einfügen können in ein großes Ganzes, wo wir nicht abgeschnitten sind, oder genauer, wo wir uns nicht mutwillig abgetrennt haben von der Welt, weil wir uns doch so erhaben fühlen über das Außer-uns-Befindliche, das doch nur wir selbst sind. Allein das Schreiben, eine zutiefst geistige Arbeit, ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn der Geist uns auch wirklich die Freiheit lässt, in ein Schreiben zu geraten, wie es Margérite Duras einmal so schön ausgedrückt hat.

Fast zwangsläufig, ohne es in irgendeiner Form angepeilt zu haben, erweiterte sich dem folgend meine Ausdrucksform auf das Gestalten von Licht und Farbe in meinen Skizzen, Bildern und Fotografien. In meiner so vielseitigen Suche nach den verborgenen, unbewussten Wahrheiten in den Küsten- und Grenzgebieten unseres Daseins ward sie also geboren: die édition littoral!

 

Frank Gruber, Février 2018

Emblème édition littoral